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Nordhausen ľ Hamburg: Überführung eines Smart ED

Eine SMARTe Sache mit Abenteuergarantie

Donnerstag, 05. Oktober 2017, 11:06 Uhr
Björn Burk entschied sich für einen smart ED und fuhr mit ihm von Nordhausen nach Hamburg. Ein Abenteuer! (Foto: Börsch/Autohaus Peter)

Björn Burk entschied sich für einen smart ED und fuhr mit ihm von Nordhausen nach Hamburg. Ein Abenteuer!

NORDHAUSEN/HAMBURG. Es sollte ein Stadtauto werden, ein elektrisches. Aber was muss man bei der Kaufentscheidung alles beachten? Wo kann man laden? Was sind die Vorteile? Wo liegen die Nachteile? - Viele Fragen, auf die man heute noch oft mühselig eine Antwort sucht. ľ Björn Burk fand sie und berichtet über seinen Roadtrip im neuen Smart electric drive von Nordhausen über den Harz nach Hamburg. Ein Abenteuer!

Die Vorbereitung
Die gute Nachricht zuerst: Die Versicherer bieten inzwischen sogar CO2-Spartarife an, die recht günstig sind und oft Dinge wie ein Ladekabel sogar mitversichern. Hier tut sich also viel.

Ein ganz anderes Bild bekommt man, wenn man sich mit einer Überlandroute für ein rein elektrisches Fahrzeug beschäftigt. Schnell kommt man dahinter, dass es zur Nutzung der Ladeinfrastruktur fast genauso viele Systeme wie Ortschaften gibt, die man passieren wird.

Intensives Suchen und Lesen führte dann aber auf eine vielversprechende Spur. Es gibt sogenannte Payment-Provider. Möchte man also nicht für jede mögliche Ladestation einen eigenen RFID-Chip am Schlüsselbund haben bzw. als Scheckkartenformat die RFID-Karten im Handschuhfach stapeln, bleiben nur die Anbieter, die versuchen, einen Großteil der unterschiedlichen Systeme miteinander zu verbinden.
Meine Wahl fiel auf PlugSurfing - hier sah ich den für uns größten Nutzen.

Was aber ist für uns der Vorteil?
Der ganz konkrete Vorteil für uns als Familie ist, dass wir in der Stadt mobil sein können - und dies ohne Einschränkung oder Diesel-Fahrverbote.
Ein gewisser Coolnessfaktor ist natürlich auch nicht zu verachten, ein E-Auto hat noch etwas Abenteuerliches, etwas Verrücktes. Das gefällt!
Ein Smart? - Ein E-Smart!

Der Nachteil? - Man muss planen und gute Nerven haben.

Die Übernahme
Endlich! Schneller als angekündigt dürfen wir unseren Smart übernehmen. Und da ist es wieder, das Abenteuer, um das man von einigen Mitmenschen schon respektvoll beneidet wird. Selbst auf der Zulassungsstelle war das Fahrzeug in gewisser Weise ein Türöffner - für eine nette Unterhaltung über Reichweite und Alltagstauglichkeit.

Das waghalsige Unternehmen der bewusst gewählten Überführung von Nordhausen nach Hamburg war selbstverständlich Thema - auch bei mir selbst.

Aber für mich hatte das was: Zum einen wollte ich das Auto kennenlernen, wollte die Erfahrung einer Langstrecke mit einem Stadtauto - einem elektrischen Stadtauto - machen, zum anderen fand ich es toll und passend, ein Fahrzeug zum Tag der Deutschen Einheit von Thüringen nach Hamburg zu bringen - ein Vereinigungs-Road-Trip sozusagen.


Die erste Etappe
Planung ist das halbe Leben, bei einem E-Fahrzeug das ganze.
In Nordhausen nutze ich eine kostenfreie Ladesäule eines örtlichen Energieversorgers, um genügend Energie für die erste Etappe zu tanken. Das Aktivieren und Laden funktioniert dank unseres RFID-Dongels problemlos.

Mit genügend Energie soll es ganz vorsichtig erst einmal bis Torfhaus zur Ladestation eines dortigen regionalen Stromanbieters gehen.
Hier die erste Unsicherheit: In einer einschlägigen APP war vermerkt, dass man am Torfhaus ebenso problemlos mit jeder RFID-Karte/Dongel laden kann. Auf der Homepage des Anbieters war zu lesen, dass ausschließlich die eigenen Karten oder die eines anderen Payment-Providers akzeptiert werden.

Was stimmt denn nun? Ein Anruf soll Klarheit bringen. Das Telefonat ist sehr nett, aber eine Antwort erhalte ich leider nicht - die Dame ist sehr bemüht und will mich weiterleiten - nach der dritten Warteschleife lege ich auf.

Also ist klar: Am „Ausprobieren“ führt kein Weg vorbei, aber Ausprobieren nicht ohne Plan B - es gibt sogar noch Plan C und D!

Die Steigungen im Harz zerren regelrecht an der Akkuleistung, das war von vornherein klar. Daher der geplante Stopp am Torfhaus.

Stopp am Torfhaus: Problemloses Tanken mit jeder RFID-Karte/Dongel? Fehlanzeige! (Foto: Björn Burk)
TORFHAUS: Problemloses Laden mit jeder RFID-Karte/Dongel? Fehlanzeige!

Angekommen mit 34 km im „Tank“ - Plan B ist 48 km entfernt, Plan C runde 30 und Plan D 10 km hinter mir.

Nein, mein lieber Smart, wir kennen uns noch nicht, aber es geht bergab. Wir probieren mal extrem optimistisch Plan C und können nach der Bergab-Etappe noch auf Plan B umschwenken.

Mit etwas Nervenkitzel stehe ich nun an der Ladesäule aus Plan B in Wolfenbüttel, schaue zu, wie langsam aber stetig die Anzeige des Akkus in die Höhe klettert und vertreibe mir die Zeit.
Wolfenbüttel: 4% im Tank und die Anzeige steigt gaaanz langsam. (Foto: Björn Burk)
WOLFENBÜTTEL: 4% und die Anzeige steigt gaaanz langsam.

Im Übrigen arbeitet die Ladesäule weder kostenfrei ohne Authentifizierung, noch mit RFID-Chip - nein, hier muss man mit der App des Payment-Providers einen QR-Code scannen. Zum Glück kann meiner das.


Einmal 16,0002 kWh in 3:38 h zu 9,49Ç
Nachdem der Akku von 4% auf 90% geladen ist, geht es weiter zur zweiten Etappe. Sie soll mich bis Uelzen führen. Hier habe ich die Hoffnung, an einer Wallbox eines Autohauses laden zu können. Viel Luft bleibt nicht für Experimente. Die Strecke soll 106 km betragen, geladen habe ich für 112 km.
UELZEN: Mit 6% und 4 - 5 Stunden Ladedauer vor Augen. Die Nacht wird lang! (Foto: Björn Burk)
UELZEN: Mit 6% und 4 - 5 Stunden Ladedauer vor Augen. Die Nacht wird lang!

Der Verzicht auf Heizung und Sitzheizung sorgt dafür, dass mir echt kalt ist. Aber ich gönne mir im Moment den Luxus der Sitzheizung satt und nehme dafür ein paar Minuten mehr Ladezeit in Kauf.

Wenn in reichlich 4-5 Stunden der Akku von den verbleibenden 6% genügend geladen ist, wird der Morgen wohl schon dämmern, aber ich werde (hoffentlich) genügend Ladung für den letzten Teil meiner Strecke haben.

Warum es länger dauert? Die Leistung ist an diesem Ladepunkt etwas geringer als in meiner App angegebenen - dafür ist das Laden hier kostenfrei.

Kälte und 1%
Was ist bei einer Überführung wichtig? Kilometer oder Wärme? - Klare Antwort: „Kilometer, Kilometer, Kilometer!“ Also wird es auf der letzten Etappe (ab 6:00 Uhr) von Uelzen bis nach Hause (Hamburg) recht frisch. Los geht es mit etwas über 120 km im Tank und einer Strecke von rund 100 km.

Da es doch etwas zu frisch wird, gönne ich mir den Luxus, nicht nur die Sitzheizung zu aktivieren, sondern auch noch den Innenraum zu beheizen. Das kostet Strom, viel Strom - oder besser: runde 20 km.

Die Fahrt selbst ist eher unspektakulär, so ein bisschen wie nach Hause fahren nach einer durchzechten Nacht.
Die Spannung allerdings steigt rasant an, als die Anzeige beim Ortsschild Hamburg auf knapp über 10% sinkt. Egal, in Hamburg gibt es auf dem Weg nach Hause genügend Ladepunkte. Ziel soll die kostenfreie Ladesäule unseres freundlichen Familienbaumarktes um die Ecke sein. 3,6 kW für normal schnelles Laden sollten reichen, hier drückt ja dann keine Zeit.
Die Spannung steigt. 3% und es soll noch eine leichte Steigung kommen: Radio aus, Telefon wird nicht geladen, alles andere aus? Ja!

2% - was passiert eigentlich bei 0%?
1% - das wird knapp!
1% - die letzte Ampel. Ladestation in Sichtweite. Ich werde sichtlich ruhiger, den Stecker und mein Bett vor Augen. - Geschafft!
HAMBURG: Mit 1% Ladestation in Sicht. Laden? - DENKSTE! Jetzt wird`s eng (Foto: Björn Burk)
HAMBURG: Mit 1% Ladestation in Sicht. Laden? - DENKSTE! Jetzt wird`s eng!

Laden? Fehlanzeige - und 1% im Tank.
Es gibt in beide Richtungen sehr nahe mindestens 3 Ladepunkte mit mehreren Stationen, was tun? Inzwischen ist meine Frau mit unserem Verbrenner gekommen, um mich zu früh-schlafender Zeit abzuholen. - Eine tolle Idee!
Die Idee war nicht toll, sie ist grandios! Denn mit 1% noch einmal loszufahren, kommt einem Lotteriespiel gleich, aber es muss sein. Denn kein Strom ist kein Strom!

Also einigen wir uns auf eine Strecke - kurzer Check, ob der Ladepunkt frei und funktionsfähig ist (einer der Vorteile bei den kostenpflichtigen Ladepunkten).
Und noch einmal, letzte Ampel, letzter Ladepunkt in Sicht und immer noch 1%.

Geschafft! Nun nur noch die Ladesäule entsperren, anstecken und laden. Funktioniert! Der Smart meldet: 13:10 Uhr wird er voll geladen sein.

Wunderbar!
Gute Nacht!

Fazit
Ein Auto das Spaß macht, definitiv aber ein Stadtauto ist, zumindest so lange, bis von Smart der On-Board-Schnelllader geliefert werden kann, mit dem die Ladezeit extrem verkürzt wird. 45 Minuten sind im Gespräch.

So lange die Hersteller hier hinterherhecheln, ist der Preis für eine saubere und flüsterleise Art der Fortbewegung ZEIT, VIEL ZEIT!

Das Laden findet meist abgelegen und einsam in Gewerbegebieten statt. Das ist sehr schade! Aber auch hier bin ich zuversichtlich, dass sich das auch in ländlichen Gegenden schnell ändern wird. Daher auch eher the „loneliness of the electric driver“ statt kommunikatives Laden.

Ob ich es wieder machen würde? - Ich denke schon - vielleicht mit einer Nacht in einer Unterkunft mit Wall-Box, wenn das Auto nicht schneller lädt.

Text: Björn Burk

Stromverbrauch (kombiniert): 13,1 kWh/100km, CO2-Emissionen (kombiniert): 0 g/km, Effizienzklasse (gültig für D): A+.[1]

[1] Die angegebenen Werte wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren gemäß Verordnung (EG) Nr. 715/2007 in der jeweils geltenden Fassung ermittelt. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen. Nach Pkw-EnVkV §3a. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem "Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.